Europäischer Gerichtshof bestätigt deutsche Regelungen zu Online-Glücksspielen
Jakob Braun · Jun 18, 2026

Europäischer Gerichtshof bestätigt deutsche Regelungen zu Online-Glücksspielen

Der Europäische Gerichtshof hat in der Rechtssache C-440/23 ein Urteil gefällt das deutsche Verbote für bestimmte Online-Glücksspiele mit EU-Recht vereinbar erklärt und gleichzeitig die Möglichkeit von Rückforderungsansprüchen durch Spieler bestätigt während die Entscheidung auf Aktivitäten vor den Reformen 2021 anwendbar bleibt und laufende Erstattungsverfahren in Deutschland unterstützt.
Hintergründe des Verfahrens vor dem EuGH
Das Verfahren betraf die Frage ob nationale Verbote für Online-Casino-Spiele Automatenspiele sowie bestimmte Formen des Online-Wettens wie Wetten auf Lotterieergebnisse mit den Vorgaben des EU-Binnenmarkts im Einklang stehen wobei das Gericht feststellte dass solche Maßnahmen der Kanalisierung des Glücksspiels in überwachte Systeme und der Bekämpfung paralleler Märkte dienen dürfen und daher zulässig sind während Betreiber mit Lizenzen aus anderen Mitgliedstaaten wie Malta keine automatische Freistellung von nationalen Verboten erhalten.
Beobachter merken an dass die Entscheidung auf einem Vorabentscheidungsersuchen eines deutschen Gerichts basiert und die Auslegung von Richtlinien zum elektronischen Geschäftsverkehr sowie zum Verbraucherschutz betrifft wobei die Richter klarstellten dass Mitgliedstaaten Spielerschutz und öffentliche Ordnung priorisieren können ohne gegen die Dienstleistungsfreiheit zu verstoßen.
Auswirkungen auf Vertragsnichtigkeit und Rückerstattungen
Das Gericht bestätigte zudem dass EU-Recht die Anerkennung der Nichtigkeit von Verträgen über solche verbotenen Dienstleistungen erlaubt und zivilrechtliche Klagen auf Rückerstattung verlorener Einsätze durch Spieler zulässt selbst wenn die Anbieter in anderen EU-Staaten lizenziert sind wobei diese Regelung explizit Aktivitäten vor den Änderungen des Glücksspielstaatsvertrags 2021 abdeckt und damit bestehende Erstattungsansprüche in Deutschland stärkt.
Experten weisen darauf hin dass Spieler somit unter bestimmten Voraussetzungen gezahlte Beträge zurückfordern können während Betreiber sich nicht auf ihre ausländische Lizenz berufen dürfen um deutsche Verbotsvorschriften zu umgehen und die Gerichte in den Mitgliedstaaten diese Grundsätze bei der Beurteilung individueller Fälle anwenden.

Relevanz für den deutschen Markt und laufende Verfahren
In Deutschland unterstützt das Urteil die Durchsetzung von Verboten gegenüber Online-Angeboten und schafft Klarheit für Gerichte die über Rückzahlungsklagen entscheiden während die Kanalisierung in regulierte Systeme als legitimes Ziel anerkannt wird und parallele Märkte bekämpft werden sollen wobei die Entscheidung keine neuen Gesetze schafft sondern bestehende nationale Regelungen absichert.
Behörden und Betroffene können nun auf diese Rechtsprechung verweisen wenn es um die Gültigkeit von Verträgen oder Erstattungsansprüche geht und das Urteil gilt als wegweisend für ähnliche Fälle in anderen Mitgliedstaaten die vergleichbare Schutzmechanismen aufrechterhalten wollen.
Zeitlicher Rahmen und Anwendbarkeit vor 2021
Die Feststellungen des Gerichts beziehen sich ausdrücklich auf Zeiträume vor Inkrafttreten der Reformen 2021 sodass Spieler die in dieser Phase Einsätze getätigt haben unter den genannten Bedingungen Rückforderungen geltend machen können während für spätere Aktivitäten die aktualisierten Regelungen des Glücksspielstaatsvertrags maßgeblich bleiben und die Entscheidung keine rückwirkende Änderung der Lizenzsituation ausländischer Anbieter bewirkt.
Vertreter von Aufsichtsbehörden betonen dass die Klarstellung hilft laufende Verfahren zu vereinheitlichen und Unsicherheiten bei der Anwendung von Verbraucherschutzvorschriften zu reduzieren wobei die Pressemitteilung Nr. 53/26 des EuGH weitere Details zur Begründung enthält und unter PRESS RELEASE No 53/26 – Judgment of the Court in Case C-440/23 abrufbar ist.
Schlussfolgerung
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs in der Rechtssache C-440/23 schafft verbindliche Leitlinien für die Vereinbarkeit nationaler Glücksspielverbote mit EU-Recht und bestätigt die Möglichkeit zivilrechtlicher Rückerstattungsansprüche wobei die Anwendbarkeit auf vor 2021 liegende Sachverhalte bestehende Verfahren in Deutschland konkret unterstützt und die Position der Mitgliedstaaten bei der Regulierung von Online-Angeboten stärkt.